Was sind Kategorien?
Bitte auch entsprechenden Text unter www.wolfgang-schmid.de beachten.
Wolfgang Runge: Kategorien. In: Werkzeug Objekt - Kybernetik und Objektorientierung, Dissertation 2001, S. 163ff
„Der Begriff der Kategorie führt in die Antike zurück.
Aristoteles nimmt die sprachlichen Zeichen zum Anlaß, um nach dahinter verborgenen Strukturen zu suchen. Sein Interesse erweitert sich dadurch, dass er eine Ordnung zu entwickeln versucht, die auf die ersten Begriffe zurückführt, die sich nicht mehr ableiten lassen. Er sucht die Ursprünge der Sprache.
Sie führt ihn zu zehn induktiv [vom konkret Erfahrbaren zum Abstrakten schreiten, Anm. d. V.] abgeleiteten Kategorien, von denen er annimmt, daß sie keinen gemeinsamen Oberbegriff mehr haben, also ursprüngliche oder Grundbegriffe sind.
Wenn man die griechische Denkfigur des Zusammenhangs von Sein, Denken und Sprache voraussetzt, dann stellt allein schon diese Frage nach den ersten Begriffen und der Versuch, eine Antwort zu finden, einen bedeutenden Schritt in der Philosophie dar. Auf der Suche nach den Strukturen menschlicher Sprache sucht Aristoteles nach den Strukturen menschlichen Denkens.
Ein weiterer Philosoph, der sich des Begriffes der Kategorie bedient, ist I.
Kant. Er ist auf der Suche nach Erkenntnis. Er hält dem Vordenker Aristoteles vor, daß seine Kategoriensammlung einer ‚Rhapsodie’ [freie Komposition, Anm. d. V.] gleiche. Er hält es nicht für legitim, auf induktive Art und Weise nach diesen Begriffen zu suchen. Seine Leitfrage lautet: ‚Wie kommt unser Verstand überhaupt zu Begriffen? Wie geht es zu daß unser Verstand Begriffe bilden kann, die sich auf einen bestimmten Gegenstand beziehen und mit ihm übereinstimmen (denn das ist der Sinn von ‚Erkennen’)?’ (Kant: ‚Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können’) Das ist das Thema der von I. Kant begründeten transzendentalen Logik, in deren Mittelpunkt sein Kategoriensystem steht. [...]
Beide Autoren versuchen die Grundlagen zu entwickeln, um den Erkenntnisprozeß transparent zu machen oder mindestens Voraussetzungen für einen solchen Weg zu schaffen.
W. F.
Schmid greift ebenfalls den Begriff der Kategorie auf, um ihn vor dem
kybernetischen Hintergrund zu verwenden. Sie sind ‚jene Informationen, welche das Entstehen von Formen steuern und regeln.’ (Schmid: basic instinct, S.308)
Kategorien stellen die Meta-Informationen für die ordnenden und ästhetischen Kräfte dar. Sie sind teilweise durch Wiederholungen gelernt oder sinnlich erfahrbar. Kategorien entstehen aus ästhetischen und logischen Kräften. Reine Information und reine Energie verbinden sich durch einen Zufall. Wenn diese Verbindung sich als stabil erweist, dann entstehen Kategorien, die wiederum Kräfte beeinflussen können. Weil die Kategorien weder stofflich noch energetisch sind, handelt es sich um Information.
W.F. Schmid leitet 12 Kategorien ab [diese werden im Beispiel unten gezeigt und auch Kati

kann davon berichten! Anm. d. V.].
‚Fragen heißt Suchen. Wer fragt, möchte etwas entdecken. Indem wir eine Frage formulieren, markieren wir die Richtung des Weges, auf dem wir das Gesuchte zu finden hoffen’ (Schmid: b.i., S. 165) Deshalb kann jede der 12 Kategorien beschrieben werden. Sie stellen den Motor für die menschliche Entwicklung dar. Die Lust am Fragen steht für die Neugierde, die Welt und ihre Zusammenhänge zu ergründen.
Kategorien sind Momentaufnahmen in dem natürlichen und dynamischen Prozeß des Werdens. Sie vermitteln dadurch den Eindruck, als ob es sich um Stufen handeln würde. Die Dynamik im Zusammenspiel der drei Kräfte [ordnende, ästhetische, kategoriale, Anm. d. V.] wird dazu in Form der Momentaufnahme nur scheinbar unterbrochen. Das Herstellen einer Ordnung ist eine Überführungsfunktion aus dem Strom der Möglichkeiten in die Wirklichkeit. ‚Die logische Form besteht aus zwei Kräften und einem Gesichtspunkt, unter dem das Zusammenspiel der beiden Kräfte zustande kommt (= Kategorie).’ (Schmid: b.i., S.405)
Dieser Kategoriebegriff unterscheidet sich von dem des Aristoteles und I. Kants. Es geht weder um Gattungen noch um Qualitäten. Kategorien sind eine Klasse von Momenten, die entweder als Ergebnis des Kräftespiels erscheinen oder die als Frage die Kräfte aktivieren.
Die Funktion der Kategorien als bewußtseinsorganisierende Kräfte beschreibt W.F. Schmid als ‚Regelkreis des Bewußtseins’. Dabei übernehmen sie die Rolle der Führungsgrößen. Sollte man kategorische Fragen nicht beantworten können, dann handelt es sich um ‚Störungen im Zusammenspiel der Kategorien mit den elementaren Kräften (Synonym für ästhetische Kräfte, Anm. v. W. Runge) und Ordnungen.’ (Schmid: b.i., S.182) Die Kategorien leiten das Zusammenspiel ästhetischer und logischer Kräfte unter jeweils ihrem spezifischen Aspekt.“ (W. Runge: Werkzeug Objekt)
Das folgende Beispiel zeigt alle Kategorien, die den Text bestimmen:
Ein Text will einen Gedanken sprachlich und zusammenhängend erscheinen lassen und damit etwas verändern. Dass dies überhaupt funktioniert, liegt in der Fähigkeit des Gehirns, Bilder in Sprache umzusetzen. Damit dies erfolgreich gelingt, müssen rechte und linke Hemisphäre synchronisiert arbeiten. Dann erst kann das Bilder-Leben und Bild-Erleben in eins erfasst werden und entschieden werden, welches das treffende Wort ist, um das Erfasste auszudrücken. Dabei hängen die Möglichkeiten zur Auswahl der Wörter und Bilder von der Vigilanz und Phantasie ab.
Ein Text (wer: Gegenstand*) will einen Gedanken (was: Wesen) sprachlich und zusammenhängend (Welche: Eigenschaft) erscheinen lassen (weshalb/wodurch: Grund) und damit etwas verändern (wofür: Zweck). Dass dies überhaupt funktioniert liegt in der Fähigkeit des Gehirns (warum: Ursache), Bilder in Sprache umzusetzen (wozu: Wirkung). Damit dies erfolgreich gelingt, müssen rechte und linke Hemisphäre (wo? Ort) synchronisiert (wann: Zeit) arbeiten. Dann erst kann das
Bilder-Leben und Bild-Erleben in eins erfasst (wie: Art und Weise) werden und entschieden werden, welches das treffende Wort ist, um das Erfasste auszudrücken (womit: Mittel). Dabei hängen die Möglichkeiten zur Auswahl (wie viele: Maß) der Wörter und Bilder von der Vigilanz und Phantasie (wobei: Umstand) ab.
Und hier kommt kati:
katiword (doc, 460 KB)
* Wer? galt zur Zeit der Entstehung der Dissertation von Runge noch als Fragepronomen, welches nach dem Grund fragt. „Wer“ ist hier die Frage nach dem Gegenstand, bzw. Bezugssystem.